Weiterbildung: Ein altersloser Erfolgsfaktor.

TRENDS | 5 MIN. LESEZEIT

25.08.2021
Von Sinja Burgemeister


WARUM WEITERBILDUNG WICHTIG UND ZEITLOS IST.

Lohnt sich eine Weiterbildung? Diese Frage stellen sich viele. Der Gedanke, durch neues Wissen einen zukunftssicheren Job zu bekommen, liegt dabei nicht fern. Lebenslanges Lernen ist notwendig, um mit den schnelllebigen Entwicklungen am Arbeitsmarkt schritthalten zu können.  

Frau über 60 sitzt mit anderen Personen in einem Zimmer und lernt.

Zu alt für die Zukunft? Ein Interview mit Prof. Dr. Anastasia Hermann

Das Ziel einer modernen Weiterbildung ist es, die Job-Chancen und Perspektiven zu sichern, auszubauen und nachhaltig zu verbessern. Lebenslanges Lernen und Weiterbildungen sind sinnvoll, um persönliche und berufliche Ziele zu erreichen. Und notwendig, um vorhandene Kenntnisse aufzufrischen und sich verändernde Voraussetzungen im Zug der Digitalisierung erfüllen zu können. Das Ziel: Skill Gaps schließen und Jobchancen verbessern.  

Professorin Dr. Anastasia Hermann hält eine Professur in Personalmanagement an  der IU Internationale Hochschule und plädiert für eine neue Kultur der Weiterbildung, die für alle Mitglieder unserer Gesellschaft, unabhängig vom Alter oder Beruf, neue Möglichkeiten eröffnet.  Wie Weiterbildungen bei der beruflichen Entwicklung helfen und welche Vorteile lebenslanges Lernen mit sich bringt, erläutert Prof. Dr. Hermann im folgenden Interview.   

Die Halbwertszeit von Wissen: Man lernt nie aus.

IU-Akademie: Das Thema Wissenslücken und lebenslanges Lernen ist momentan sehr präsent. Warum ist Weiterbildung aktuell wichtiger denn je?

Frau Prof. Dr. Anastasia Hermann: Grundsätzlich ist es so, dass die Halbwertszeit von Wissen aktuell schon stark abnimmt und in Zukunft noch schnell abnehmen wird. Das Wissen, welches wir uns durch Ausbildung, Studium oder andere Bildungswege aneignen, veraltet immer schneller. Daher wird Weiterbildung allein aus diesem Grund immer wichtiger, um das erworbene Fachwissen aktuell halten zu können. 

Aber das ist nur die technische Sichtweise. Übertragen wir das auf die Komplexität der Arbeitswelt, erkennen wir, dass sich jeder Mensch für das eigene Berufsleben neue Perspektiven und Möglichkeiten schaffen muss. Und hierbei ist nicht nur die Weiterbildung zur Erhaltung des eigenen Fachwissens gemeint, sondern auch fachfremde Themen in den verschiedensten Bereichen. Dies wird in Zukunft eine permanente und existenzielle Voraussetzung sein, um einen erfüllenden Beruf ausüben zu können, der glücklich macht. 

IU-Akademie:  Worauf sollte man bei der Wahl einer Weiterbildung achten? 

Frau Prof. Dr. Anastasia Hermann: Es kommt immer darauf an, aus welchem Bereich man kommt. Wenn man arbeitssuchend ist, kann man seine Chancen auf dem Arbeitsmarkt aktuell grundsätzlich verbessern, wenn man sich digitale Fähigkeiten aneignet . Hierbei sind nicht nur Programmierkenntnisse gefragt, sondern auch das Verständnis von digitaler Zusammenarbeit und die Fähigkeit mit digitalen Tools sowie Prinzipien umgehen zu können. Die meisten Unternehmen suchen zurzeit auf dem Arbeitsmarkt nach Mitarbeiter:innen, die digitale Fertigkeiten mitbringen. Hierzu ist es wichtig branchen- sowie unternehmensspezifisch zu schauen und Weiterbildungsanbieter zu nutzen, welche eine hohe Qualität anbieten, sowie zertifiziert und anerkannt sind.

Denkmuster überdenken: Weiterbildung und demografischer Wandel.

IU-Akademie: Der Zweck und Nutzen einer Weiterbildung wird häufig hinterfragt. Für wen ist eine Weiterbildung wirklich sinnvoll? 

Frau Prof. Dr. Anastasia Hermann: Weiterbildung macht für jeden Sinn. Es gibt keine Gruppe auf dem Arbeitsmarkt, die bereits vorgesorgt hat und keine Weiterbildung benötigt. Für Unternehmen ist es überlebenswichtig, dass sich die Mitarbeitenden regelmäßig fortbilden, um sich den aktuellen arbeitsmarktpolitischen Faktoren anzupassen. Selbst Programmierer:innen - eine Gruppe, die sich stark fortbildet und up to date hält - ist nicht vor den Gefahren des schnellen Wandels gefeilt. Daher ist der nachhaltigste und erfolgversprechendste Weg für Arbeitnehmer:innen und Unternehmen in sich selbst und permanente Weiterbildung zu investieren. 

IU-Akademie: Das Alter scheint ein häufiger Entscheidungsfaktor gegen eine Weiterbildung zu sein. Wie entsteht die Annahme zu alt für neues Wissen zu sein? 

Frau Prof. Dr. Anastasia Hermann: Rund zwei Drittel der Befragten unserer Trendstudie Arbeitslosigkeit befürchten, bei der Arbeitssuche potenziell benachteiligt zu werden. Die meisten aufgrund ihres Alters (25,5 Prozent). Das Alter ist auch die zweithäufigste Begründung derer, die sich nicht weiterbilden wollen (37,1 Prozent). Dabei ist schon die Frage: „Ab wann ist man zu alt für eine Weiterbildung oder eine neue Anstellung?“ ist an sich diskriminierend und auch wirtschaftlich schädigend. Erschwerend kommt hinzu, dass dieses Alter häufig - mit 50 oder sogar 40 Jahren - recht niedrig angesetzt wird. Diese negative kulturelle Einstellung beraubt nicht nur die Weiterbildungswilligen ihrer Chance auf berufliche Entwicklung, sondern dezimiert bewusst das Beschäftigungspotenzial einer großen Gruppe der Arbeitsmarktteilnehmer:innen.

iu-akademie

IU-Akademie: Um dieser Diskriminierung entgegenzuwirken - wie überzeugt man die Gesellschaft davon, dass es kein Höchstalter für Bildung gibt? 

Frau Prof. Dr. Anastasia Hermann: Das ist keine Frage, für die es eine klare Lösung gibt. Es ist eine gesamtgesellschaftliche Herausforderung, für die ganz viele Umstände in Deutschland geändert werden müssen. Am einfachsten würde das über Erfolgsbeispiele funktionieren – heißt: Vermehrte Berichterstattung über Personen aller Altersgruppen, die einen Karriereschwenk vollzogen oder ihre bestehenden Kompetenzen erweitert haben und diese in einem neuen Bereich oder einer anderen Branche zielgerichtet und erfolgreich anwenden. Spannend ist hierbei aufzuzeigen, wie diese Personen eine Weiterbildung gemeistert haben. Das hilft dabei, veraltete Denkmuster abzubauen und Weiterbildung als Chance in jedem Alter herauszustellen. Dadurch kann Weiterbildung ein alltäglicher Begleiter und gesellschaftlich irgendwann als Norm betrachtet werden.

Nichts verpasst - zusammengefasst.

Weiterbildungen sind zeitlos und zeitgleich wichtiger denn je zuvor. Sowohl der demografische Wandel und damit verbunden die älter werdende Gesellschaft als auch die Digitalisierung führen dazu, dass Weiterbildungen in Zukunft zum Erfolgsfaktor für Unternehmen und Arbeitnehmende werden. Um Kompetenzlücken zu schließen, altersbedingte Barrieren zu überwinden und Chancengleichheit am Arbeitsmarkt zu erreichen. Denn lebenslanges Lernen wird zum Wirtschaftsfaktor und Weiterbildung daher in Zukunft zur Norm.  

Das sind wir

“Ich lebe in Innsbruck und bin Redakteurin an der IU Akademie. Ich liebe gute Magazine, das Schreiben und die Berge - ob im Sommer zum Wandern oder im Winter auf der Piste. Wenn es für mich mal nicht in die Natur geht, rolle ich auch gerne die Yogamatte aus oder tausche die Tastatur des Laptops gegen die Tasten am Klavier.“

Sinja Burgemeister
Autorin & Redakteurin IU Akademie

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