IU Studie: Lernmotivation in der Arbeitslosigkeit

TRENDS | 7 MIN. LESEZEIT

11.07.2022
Autorin: Sinja Burgemeister


Weiterbildung als Chance auf einen neuen Job

Kann die Arbeitslosigkeit zur Chance werden? Ja, wenn diese dazu genutzt wird, das Wissen zu erweitern und eine Weiterbildung zu machen. Das zeigen auch die Ergebnisse der aktuellen Studie„Lernmotivation in der Arbeitslosigkeit“ der IU Internationalen Hochschule (IU). Zwar sind die Gefühle der Befragten gemischt, doch zeigt sich, dass mit Lernmotivation und Veränderungswille völlig neue Jobchancen erreicht und neue Potentiale entdeckt werden können. Was hilft also dabei, die Lernmotivation während der Arbeitslosigkeit wiederzufinden um anschließend von neuen Fachkenntnissen und Karrieremöglichkeiten zu profitieren? Und welche Hindernisse sehen Personen während der Arbeitssuche und vor ihrer Weiterbildung?

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Die Fakten zur Studie

Für die Studie „Lernmotivation in der Arbeitslosigkeit“ der IU wurden insgesamt 1.002 Personen, die seit höchstens 24 Monaten arbeitslos sind, befragt. Dabei waren 43,1 Prozent der Befragten weiblich gelesene Personen, 56,4 Prozent männlich gelesene und 0,5 Prozent divers. Anhand der Studie wurde erforscht, wie hoch die Motivation von Arbeitsuchenden ist, eine Weiterbildung zu absolvieren, welche Rolle das Thema Lernen dabei spielt und welche Hürden im Lernprozess bestehen. Um das herauszufinden, wurde die persönliche Motivation zum Lernen ebenso abgefragt, wie die Kriterien für ideale Weiterbildungsprogramme. Zudem befasste sich die Studie mit der Frage, warum einige Arbeitssuchende keine Weiterbildungsmaßnahmen ergreifen.

Arbeitslos, nicht chancenlos.

Zu Beginn der Arbeitslosigkeit kommen Fragen auf wie „Was möchte ich beruflich in Zukunft tun?“ und „Wo sehe ich gute Chancen, um einen langfristigen Job zu finden?“. Und manchmal ist das auch der Moment, in dem arbeitslose Personen erst einmal ihre Chancen nicht erkennen oder sich mit der neuen Situation überfordert fühlen. Denn nun kann die Karriere nochmal völlig neu überdacht werden. Unsere Studienergebnisse zeigen sogar, dass über ein Drittel der Befragten, mit rund 37 %, die Arbeitslosigkeit als Chance begreifen – insbesondere, um endlich einen erfüllenden Job zu suchen, der wirklich Freude macht. Denn dieser Punkt liegt bei den Befragten mit 48 % auf Platz Eins der Chancen. 

Wenn man den Blickwinkel verändert und das positive in der Situation sieht, bietet die Arbeitslosigkeit die Möglichkeit, sich in Ruhe Gedanken über die eigenen Zukunftspläne zu machen und herauszufinden, was man in Zukunft wirklich machen möchte. Diesen Vorteil haben in unserer Studie 42,4 % angegeben. Besonders erfreulich: 38,6 % wollen die gewonnene Zeit während der Arbeitssuche für chancenreiche Weiterbildungsmaßnahmen nutzen. Dass diese Zeit sehr gut dafür geeignet ist das eigene Wissen und die individuellen Kenntnisse in Form einer Weiterbildung auszubauen, sieht auch Prof.ⁱⁿ Dr.ⁱⁿ Svenja Krämer, Professorin für Erwachsenenpädagogik an der IU Internationalen Hochschule: „Weiterbildung ist kein reiner Wissenstransfer. Weiterbildung ist ein Impuls, eine Phase des Umdenkens, des Neugestaltens. Wer sich weiterbildet, knüpft Kontakte, lernt neue Leute kennen. Und entwickelt dadurch völlig neue Jobperspektiven, über die man vorher vielleicht einfach nicht nachgedacht hat. Man hat die Möglichkeit, nochmals über eigene Wünsche und Bedürfnisse nachzudenken und mit einer Zertifizierung im Gepäck ganz neue Erfolge im und Freude am Job zu bekommen. Vor allem ein formal anerkannter Abschluss unterstützt die Beschäftigungsfähigkeit.“ 

Wofür mache ich das eigentlich? Persönliche Lernmotivation.

Doch was hilft Personen während der Arbeitslosigkeit dabei, sich für eine Weiterbildung zu entscheiden und die Zeit in Form der Wissenserweiterung zu nutzen? Und motiviert etwas Neues dazuzulernen? Die Ergebnisse der Studie zeigen, dass die Lernmotivation für 42,8 Prozent der Befragten dann besonders hoch ist, wenn das Gelernte auf die persönlichen Ziele einzahlt. Und den Karriereweg dabei positiv unterstützt. Weitere 39,6 Prozent der Teilnehmenden fühlen sich laut eigenen Angaben vor allem durch Angebote, deren Inhalte sie sofort in die Praxis umsetzen können, besonders motiviert. Fast genauso wichtig scheint die persönliche Entwicklung während der Weiterbildung zu sein: Denn für 38,6 % ist es ausgesprochen motivierend, wenn sie eine persönliche Verbesserung während des Lernprozesses beobachten können. 
 
Trotz der chancenreichen Aussichten durch eine Weiterbildung, scheint die Hürde, sich in der Zeit der Arbeitslosigkeit tatsächlich für eine Weiterbildung zu entscheiden, dennoch hoch zu sein. Denn mit rund 45 % gab fast die Hälfte der Befragten unserer Studie an, momentan keine Weiterbildung zu planen. Der Grund dafür? Fast jede:r Fünfte hat schlichtweg noch nicht darüber nachgedacht oder in Erwägung gezogen, überhaupt eine Weiterbildung zu beginnen. Eine weitere Hürde scheinen die Entscheidungsschwierigkeiten darzustellen, da 17,4 % der Teilnehmenden keine genaue Vorstellung davon haben, was sie eigentlich lernen sollen beziehungsweise wollen. 
Doch auch die Personen, die aktuell noch keine Weiterbildung planen, könnten sich vorstellen eine Weiterbildung zu machen, wenn dadurch die Chance steigt, im Anschluss einen neuen Job zu bekommen. Ein weiterer Faktor, der die Entscheidung für eine Weiterbildung positiv beeinflusst, sind die Gehaltsaussichten. 40,5 % der Studienteilnehmer:innen ohne konkrete Weiterbildungspläne wären motivierter eine Weiterbildung zu machen, wenn dadurch ein höheres Einstiegsgehalt im neuen Job in Aussicht gestellt wird. 

Die Top drei meistgenannten Antworten der Befragten, die derzeit keine Weiterbildung planen auf die Frage „Was würde Sie motivieren, eine Weiterbildung zu absolvieren?“ sind:  

55 %
„Die Sicherheit, im Anschluss an die Weiterbildung einen Job zu finden.“
40,5 %
„Durch die Weiterbildung ein höheres Gehalt zu bekommen.“
36,8%
„Eine Kostenübernahme durch die Arbeitsagentur bzw. das Jobcenter.“

Lernen lernen? Das geht!

Eine Weiterbildungs-Hürde, die doch einige Personen teilen ist die Frage, ob man Lernen verlernen oder auch wieder erlernen kann. Insbesondere, wenn die Schul- oder Studienzeit schon einige Jahre zurückliegt und das Lernen durch den Arbeitsalltag in den Hintergrund gerückt ist, besteht diese Unsicherheit. Und genau dieser Schritt zurück ins „Klassenzimmer“ stellt für einige eine Hürde dar: 29,5 Prozent der Befragten, die keine Motivation zu einer Weiterbildung verspüren, geben als Grund an, dass sie Schwierigkeiten damit haben würden wieder zu lernen. Und das hat eine Weiterbildung an sich: Wer sich weiterbildet, lernt viel Neues. Zudem darf nicht vergessen werden, dass die Zeit der Arbeitslosigkeit belastend sein kann. Und das führt dazu, dass rund ein Viertel der nicht Weiterbildungsmotivierten sich durch den Jobverlust zu gestresst fühlen, um sich um eine Weiterbildung zu kümmern. 

Mit der Angst vor der Unfähigkeit Neues zu lernen sollte daher schnell schlussgemacht werden. Lernen kann immer wieder gelernt werden, und noch dazu sind Weiterbildungsprogramme für Erwachsene darauf ausgelegt, die Bedürfnisse dieser zu kennen und entsprechend zu berücksichtigen. Umso wichtiger ist es also, dass Anbietende von Weiterbildungsprogrammen diese Barrieren abbauen, erklärt Prof.ⁱⁿ Dr.ⁱⁿ Krämer: „Lernen im Erwachsenenalter soll kein zusätzlicher Druck sein, sondern Perspektiven und Support bieten. Wieder zu lernen wird teils mit zusätzlichem Stress verbunden, das stellt für viele eine große Hürde dar. Doch die Sorge ist unbegründet. Durch eine niedrigschwellige Begleitung während der Weiterbildung mit Tutor:innen, persönlichen Ansprechpartner:innen und gemeinsamen Lernveranstaltungen mit anderen Studierenden können die Barrieren abgebaut werden. Lernen ist individuell. Lernprozesse und Lernverhalten sind etwas Persönliches.“

So lernst Du bei uns

Zu alt für eine Weiterbildung?

Wie bereits zu Beginn aufgeführt, gab fast die Hälfte der Befragten unserer Studie an, momentan keine Weiterbildung zu planen. Die zwei meistgenannten Gründe haben wir bereits genannt – doch was liegt auf Platz drei? Am dritthäufigsten wählten die Teilnehmenden die Antwort „Ich möchte aufgrund meines Alter keine Weiterbildung machen.“. Derweil sollte das überhaupt keine Rolle spielen, im Gegenteil: Nur wer lebenslanges Lernen in Betracht zieht, kann langfristig mit den schnellen Veränderungen am Arbeitsmarkt mithalten. Zudem gibt es kein Alter, ab dem Bildung im Großen und Ganzen sinnlos wird – um neues zu lernen ist es nie zu früh oder zu spät.  

Darüber, dass das Alter immer wieder als Grund dafür genannt wird, keine Weiterbildung mehr zu planen hat sich auch unsere Prof.ⁱⁿ Dr.ⁱⁿ Svenja Krämer Gedanken gemacht und hat dazu eine klare Meinung: „Die Angst, nicht mehr lernfähig zu sein, ist groß – gerade bei älteren Arbeitsuchenden. Doch die Sorge ist unbegründet. Weiterbildungsentscheidungen und die Gestaltung von Lernen verändern sich zwar im Lebensverlauf, aber Lernprozesse finden weiterhin statt. Wenn Teilnehmer:innen in Weiterbildungen z. B. ihr eigenes Tempo gestalten dürfen, sind in allen Altersstufen erfolgreiche Lernprozesse möglich.“  

Das perfekte Weiterbildungsprogramm

Um die Motivation für eine Weiterbildung zu stärken, haben wir unsere Teilnehmenden auch dazu befragt, wie das perfekte Weiterbildungsprogramm für sie aussehen würde. Und das daraus wichtigste Resultat überrascht nicht: Eine Weiterbildung soll zielführend und praxisnah sein.  

Doch wie muss eine Weiterbildung aufgebaut sein und worauf sollte bei den Inhalten geachtet werden, um die Lernmotivation zu unterstützen?  

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Wir haben die Frage gestellt „Welche Dinge motivieren Dich beim Lernen, oder bringen Dir Spaß?“ und die Top 10 Antworten – absteigend in der Häufigkeit der Nennung - sehen so aus:  

1. Wenn ich genau weiß, wofür ich es mache / es auf meine persönlichen Ziele einzahlt. 

2. Wenn ich das Gelernte sofort in der Praxis anwenden kann. 

3. Wenn ich meine persönliche Verbesserung im Lernprozess sehen kann.  

4. Wenn ich Lernziele habe, die in greifbarer Nähe sind.  

5. Wenn ich mir die Lerninhalte und das Lerntempo selbst aussuchen kann. 

6. Wenn ich mich mit anderen fachlich austauschen kann.  

7. Wenn ich regelmäßig Feedback bekomme zu meinem aktuellen Wissensstand.  

8. Wenn ich mein Wissen regelmäßig überprüfen kann.  

9. Wenn ich gemeinsam mit anderen Lernherausforderungen meistern kann.  

10. Wenn ich mich mit anderen vergleichen kann.  

Auch haben wir danach gefragt, wie Weiterbildungsanbietende die Teilnehmenden bei ihrem Lernprozess unterstützen können: 

1. Persönliche Ansprechperson  

2. Austausch mit anderen Teilnehmenden  

3. Lernstoff per Video anschauen  

4. Lehrinhalt spielerisch vermitteln  

5. Lernstoff als Podcast anhören 

Weiterbildungswünsche: Die IU Akademie

Wir haben uns die Ergebnisse genau angeschaut, um zu erkennen, ob wir bereits einige Wünsche der Befragten mit den Weiterbildungsangeboten der IU Akademie abdecken können. Die Vorteile, welche sich mit den Wünschen der Umfrage decken, haben wir einmal aufgeführt:  

Nichts verpasst – zusammengefasst:

Die Studie macht eins deutlich: Arbeitsuchende sind grundsätzlich positiv gestimmt, wenn es um eine Weiterbildung während der Arbeitslosigkeit geht. Dennoch haben sie häufig Angst davor, Neues zu lernen oder nicht mehr lernfähig zu sein. Diese Angst sollte ernst genommen und aufgelöst werden. Durch Weiterbildungsangebote, die die Karriere-Wünsche und Ziele der Teilnehmenden berücksichtigen, eine persönliche Betreuung bereitstellen, den Austausch unter den Weiterbildenden fördern, regelmäßige Wissenskontrollen ermöglichen und flexibel bezüglich der Lernformate sowie der Zeiteinteilung sind. 

Ich lebe in Innsbruck und bin Redakteurin an der IU Akademie. Ich liebe gute Magazine, das Schreiben und die Berge - ob im Sommer zum Wandern oder im Winter auf der Piste. Wenn es für mich mal nicht in die Natur geht, rolle ich auch gerne die Yogamatte aus oder tausche die Tastatur des Laptops gegen die Tasten am Klavier.
Sinja Burgemeister
Autorin & Redakteurin IU Akademie
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Lernmotivation während der Arbeitslosigkeit: In unserer Studie analysieren wir, wie die Zeit der Arbeitslosigkeit durch Weiterbildungen und lebenslanges Lernen für neue Jobchancen genutzt werden kann. 

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