Wiedereinstieg nach der Elternzeit: Kind, Kegel, Karriere?

TRENDS | 5 MIN. LESEZEIT



13.01.2022
Von Sinja Burgemeister


Berufsrückkehr: Möglichkeiten & (Hinter)Gründe 

Die Rückkehr in den Beruf kann sich nach der Elternzeit schwieriger gestalten als anfangs gedacht. Das mag an zwei Dingen liegen: Zum einen haben sich die persönlichen Prioritäten durch die Elternschaft verschoben. Zum anderen kann sich in der Zeit der Abwesenheit das Jobprofil verändert haben beziehungsweise das Arbeitsumfeld und die Teamzusammensetzung im Unternehmen. Denn je länger die Elternpause dauert, desto wahrscheinlicher ist es, dass Unternehmensinterne Prozesse umgestaltet wurden. Wenn diese Veränderungen nicht den Voraussetzungen des neuen Elternalltags oder der bisher bevorzugten Arbeitsweise entsprechen, denken Berufsrückkehrer:innen häufig über einen Jobwechsel nach. Das ergab auch die Studie „Zurück in den Beruf – Gleichberechtig, Gebildet, Gefragt?“ der IU Internationale Hochschule. Doch wie klappt die Berufsrückkehr sowie die Arbeit nach der Elternzeit und welche Herausforderungen und Chancen bringt ein Berufswechsel mit sich? 

iu-akademie

Ende der Elternzeit – Beginn der Umorientierung

Wenn das Ende der Elternzeit absehbar wird, beginnt die Zeit des Nachdenkens über die beruflichen Ziele und den berufseinstieg nach der Elternzeit. Und in den wenigsten Fällen, wird nach der Auszeit der „alte Job“ wieder genauso aufgenommen, wie er vor der Pause ausgeführt wurde. Denn eine Auszeit bedeutet häufig Veränderung im Beruf – oft auch ungewollt. Für 45,1% aller Befragten unserer Studie zur Berufsrückkehr ist eine Rückkehr in den alten Job unmöglich, weil sie gekündigt wurden oder kein neues Angebot erhielten. Nur 28,1% entschieden selbstbestimmt, dass der bisherige Job nicht mit der neuen Lebenssituation oder den persönlichen Vorstellungen und Wünschen vereinbar ist, und haben den alten Job gekündigt. 

Ein weiterer Grund für eine Umorientierung nach der Pause: Nach wie vor gibt es Arbeitgeber:innen und Arbeitsplätze, die nicht annähernd so flexibel sind, wie Eltern und Familien es brauchen und fordern. Denn bei fast zwei Dritteln der Befragten, die selbst gekündigt haben, zeigt sich: Familie und Karriere bleiben schwer vereinbar – auch in der heutigen Zeit. Prof. Dr. Regina Cordes, Studiengangsleitung New Work und International Management an der IU Internationale Hochschule dazu: „Beruf und Familie lassen sich schwer vereinen, besonders wenn es um Führungspositionen geht. 40 oder sogar 60 Stunden pro Woche sind nur schwer mit einem Kleinkind zu leisten. Wer in eine leitende Position zurückkehren will, schafft das kaum aus eigener Kraft. Solche Positionen sind in der Regel auf Vollzeit ausgelegt. Es ist noch ein weiter Weg, bis alle Jobs teilbar und mit der Familie vereinbar sind.“  

Aufgrund dessen geht die Rückkehr ins Berufsleben nach der Auszeit auch sehr oft mit einer beruflichen Umorientierung einher. Berufsrückkehrer:innen müssen sich die Frage stellen, welche Position sie in Zukunft einnehmen wollen, welche Jobprofile sich mit den privaten Voraussetzungen vereinbaren lassen und wo sie sich selbst nach der Elternzeit sehen. Können diese Fragen beantwortet werden dient das als Basis für eine berufliche Umorientierung, um das gewünschten Karriereziel zu erreichen. 

„Ich habe verstanden, dass die Stelle, die ich vor der ersten Schwangerschaft hatte, futsch ist. Das war wie ein Traumjob für mich. Ich habe jetzt akzeptiert, dass das nicht noch einmal wiederkommen wird. Jetzt will ich es ein bisschen strategischer angehen.“

Aussage einer Studienteilnehmerin

Mit Kind auf die Karriereleiter: Wiedereinstieg nach der Elternzeit

Wie bereits erwähnt, verändern sich die Prioritäten durch die Elternschaft und der ursprüngliche Karriereplan muss nach der Pause noch einmal neu aufgesetzt werden. Laut unserer Studie waren mehr als drei Viertel der Befragten mit dem letzten arbeitgebenden Unternehmen zufrieden. Bis zu ihrer Auszeit. Vor allem, weil die neue Lebenssituation mehr Flexibilität erfordert – oder neue Chancen bietet. Die alte Karriereleiter wird also neu aufgestellt und andere Ziele definiert. Dabei spielt neben der Flexibilität auch der Wunsch nach einer Veränderung eine wesentliche Rolle. Denn drei Viertel der Berufsrückkehrer:innen sehen im Wiedereinstieg die Möglichkeit, sich beruflich ganz oder teilweise neu zu orientieren. Sie streben nach mehr Flexibilität, Mobilität und Selbstverwirklichung und einem neuen Job, der zu ihren Wünschen und ihrer aktuellen Lebenssituation passt.  

Das ist in jedem Fall erreichbar. Manchmal hilft bereits ein wenig Distanz zum alten Job dabei, die persönlichen Ziele zu überdenken und festzustellen, dass das Ende der Karriereleiter noch nicht erreicht ist. Nach der Pause können sich – durch den schnellen Wandel der Arbeitswelt – spannende neue Jobfelder aufgetan haben. Dabei sollten sich Berufsrückkehrende nicht von fehlenden Qualifikationen abschrecken lassen, denn lebenslanges Lernen hilft dabei, in jedem Alter und in jeder Lebenslage eine passende Weiterbildung zu machen, um einen Job mit Zukunft zu finden.

Ein erfülltes Familienleben gehört mittlerweile genauso zum Lebensentwurf beider Geschlechter wie eine sinnstiftende berufliche Tätigkeit. Rahmenbedingungen, die ein hohes Engagement in beiden Bereichen ermöglichen, werden zunehmend den unterschied bei der Wahl eines Arbeitgebers machen.
Prof. Dr. Anastasia Hermann
Prorektorin Qualität der Lehre & Professorin für Personalmanagement an der IU Internationale Hochschule

Das sagen die Befragten: Arbeiten nach der Elternzeit

  • „Damals (in Elternzeit) hab ich meine Arbeit sehr vermisst. Aber hätte ich gewusst, was passiert, dann hätte ich meine berufliche Auszeit mehr genossen.“ 

  • „Mit Kind kann man nicht so richtig Pläne schmieden. Ich hätte nichts anders machen können, aber vielleicht hätte ich mit meiner Idee von der Selbstständigkeit eher anfangen können. Mich damit auseinanderzusetzen, zu organisieren und alles zu klären, was mit Finanzen zusammenhängt.“ 

  • „Wenn ich gewusst hätte, dass ich so lange zu Hause bleibe, hätte ich mich technisch besser vorbereitet. Es gibt da so viele Möglichkeiten.“

Weiterbilden für den Neuanfang: Flexibel lernen, flexibel arbeiten

Um nach der Elternzeit einen sinnstiftenden, erfüllenden und flexiblen Beruf ausüben zu können, bedarf es in vielen Fällen einer Auffrischung des Wissens oder einer Weiterbildung, um neues Wissen zu erlangen. So können Skill-Gaps geschlossen werden und die Berufsrückkehrer:innen haben eine größere Chance in dem Bereich ihrer Wahl Fuß zu fassen. Denn eine lange Jobsuche ist nach der Elternzeit meist nicht vorgesehen, allein aus dem Grund, dass die finanzielle Sicherheit der Familie höchste Priorität hat.  

Berufsrückkehrenden, die für den beruflichen Neustart eine Weiterbildung machen möchten, stehen vor verschiedenen Möglichkeiten zur Umsetzung des lebenslangen Lernens. Ob gefördert oder privat finanziert – mit Anwesenheit vor Ort oder digital und örtlich unabhängig. Die Auswahl an Weiterbildungen ist groß und spannend, doch ein Fakt lässt sich aus der Studie klar erkennen: Fast 9 von 10 Berufsrückkehrer:innen sind interessiert an einer Weiterbildung und sehen darin ihre Chance auf eine schnelle und erfolgreiche Rückkehr ins Berufsleben. Vielleicht sogar in einer besseren Position oder in einer ganz neuen Branche. Besonders gefragt sind Kurse, Zertifikate sowie Umschulungen und das am liebsten in Form von Onlineunterricht mit viel Flexibilität und qualifizierten Lehrkräften. 

Auch der Zeitaufwand und Zeithorizont spielen bei der Wahl der Weiterbildung eine entscheidende Rolle: Einmonatige Kurse oder Zertifikate, die über 4–5 Monate ca. 30 Stunden pro Woche in Anspruch nehmen, können sich die Befragten am ehesten vorstellen. Auch eine Umschulung innerhalb von 9 Monaten ist für 40,5 % realistisch. Mehrjährige Weiterbildungen in Form einer Ausbildung mit 40 Stunden oder eines Studiums in Voll- oder Teilzeit kommen für 21,0 % bzw. 11,3 % infrage. Es zeigt sich also, die schnelle und effiziente Wissenserweiterung steht klar im Fokus. Kombiniert mit einer möglichst unabhängigen und individuellen Zeiteinteilung sowie Lerngestaltung durch Onlineunterricht, lässt sich die Weiterbildung optimal in den Elternalltag integrieren. Und eröffnet den Berufsrückkehrenden völlig neue Jobchancen für ihre Karriere 2.0 nach der Elternzeit. 

Unser Tipp:

Die Weiterbildungen der IU Akademie sind auf Flexibilität und individuelle Lerngestaltung ausgelegt. Sie finden 100% online statt und ermöglichen den Teilnehmenden neben der freien Zeiteinteilung auch ortsunabhängiges Lernen. Je nach Weiterbildung variiert die Dauer zwischen 1-9 Monaten – eine schnelle Rückkehr ins Berufsleben lässt sich damit optimal umsetzen. Und: Während der Arbeitssuche wird die Weiterbildung an der IU Akademie mit dem Bildungsgutschein sogar bis zu 100% von der Agentur für Arbeit gefördert.

Hier geht’s zum Weiterbildungsangebot 

Nichts verpasst – zusammengefasst:

Nach der Elternzeit folgt der Wiedereinstieg ins Berufsleben. Das stellt viele Berufsrückkehrer:innen vor Herausforderungen - vor allem wenn eine Rückkehr an den alten Arbeitsplatz unmöglich ist. Wie die Ergebnisse unserer Studie zeigen, sehen viele Befragte die Berufsrückkehr aber auch als Chance für eine berufliche Neuorientierung – und sind motiviert. Denn fast 9 von 10 Berufsrückkehrer:innen haben Interesse an einer beruflichen Weiterbildung. Gründe hierfür sind der Wunsch nach flexiblerem Arbeiten – oder die Chance auf eine Zukunft in neuen Branchen und Berufen. 

Ich lebe in Innsbruck und bin Redakteurin an der IU Akademie. Ich liebe gute Magazine, das Schreiben und die Berge - ob im Sommer zum Wandern oder im Winter auf der Piste. Wenn es für mich mal nicht in die Natur geht, rolle ich auch gerne die Yogamatte aus oder tausche die Tastatur des Laptops gegen die Tasten am Klavier.
Sinja Burgemeister
Autorin & Redakteurin IU Akademie
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