Trendstudie Arbeitslosigkeit: Erfolgreich zurück ins Berufsleben

TRENDS | 5 MIN. LESEZEIT

25.08.2021
Von Sinja Burgemeister


Arbeitslosigkeit und Kurzarbeit: Aus Krisen werden Chancen. 

Wie geht es Personen, die seit längerer Zeit arbeitslos oder in Kurzarbeit sind? Welche Möglichkeiten haben sie und welchen Herausforderungen müssen sie sich stellen? Diesen Fragen sind wir in einer Trendstudie zum Thema Arbeitslosigkeit auf den Grund gegangen. Das Ziel: Herausforderungen verstehen und Lösungen finden. Welche Rolle lebenslanges Lernen dabei spielt und welchen Stellenwert die Digitalisierung bei einer nachhaltigen Berufsrückkehr einnimmt, haben wir für Dich zusammengefasst.

Die Fakten zur Trendstudie Arbeitslosigkeit

Befragt wurden knapp 1.900 Arbeitssuchende, von Arbeitslosigkeit bedrohte oder kurzarbeitende Personen ohne Aussicht auf eine baldige Rückkehr in normale Arbeitszeiten.
Von den Arbeitssuchenden ist jede beziehungsweise jede dritte Person bis zu drei Monate arbeitslos und jeweils jede oder jede Vierte vier bis sechs Monate beziehungsweise sieben bis zwölf Monate arbeitslos.
17,4 Prozent sind bis zu zwei Jahre arbeitslos. Arbeitssuchende, die länger als 24 Monate arbeitslos sind, wurden von der Studie ausgeschlossen.

Arbeitslos heißt nicht aussichtslos.

Wie die Studienergebnisse zeigen, liegt Hoffnung und Verzweiflung bei Menschen die kurz vor der Arbeitslosigkeit stehen oder, seit maximal zwei Jahren arbeitslos sind, nah beieinander. Denn laut der Befragung schätzen knapp 40 Prozent ihre Aussicht auf eine neue Anstellung aktuell als schlecht bis sehr schlecht ein. Ebenso viele sehen in ihrer Arbeitslosigkeit eine Chance, zum Beispiel um über die berufliche Zukunft nachzudenken oder einen Job zu finden, der ihnen wirklich gefällt. Doch um die teilweise aussichtslos scheinende Situation auch tatsächlich in eine Chance umzuwandeln, müssen einige Hürden genommen werden. 

Eins dieser Hindernisse ist die psychische Belastung, die den Weg zurück in die Festanstellung erschwert. So gibt – mit rund 52 Prozent - über die Hälfte der Befragten an, emotional unter der Situation zu leiden. Was auch dazu führt, dass sich viele von ihnen antriebslos fühlen und Schwierigkeiten haben, überhaupt in den Tag zu starten. Prof. Dr. Regina Cordes, Leiterin des Studiengangs New Work und Prorektorin an der IU Internationalen Hochschule sieht einen wichtigen Verbesserungsansatz:  

Die psychische Belastung von Arbeitslosigkeit und Kurzarbeit ist nicht verwunderlich, aber besorgniserregend. Um gute Leistung erbringen zu können und langfristig ihre Gesundheit zu erhalten, brauchen Menschen eine stabile positive Einstellung in ihrem Leben. Maßnahmen während Arbeitslosigkeit und Kurzarbeit sollten daher auch die psychische Verfassung der Menschen berücksichtigen und Optimismus, Hoffnung und eine positive Einstellung zum Leben fördern.
Prof. Dr. Regina Frey Cordes
Leiterin des Studiengangs New Work und Prorektorin an der IU Internationalen Hochschule
iu-akademie

Plan B wie Bildung: Neues Wissen, neue Perspektiven.

Ein Weg, diesen Optimismus zu verbreiten, bieten Maßnahmen, die arbeitssuchenden und Personen in Kurzarbeit neues Selbstvertrauen schenken. Eine mögliche Lösung: Die Zeit nutzen und in Weiterbildung investieren. Neu gewonnenes Know-how pusht das Selbstbewusstsein und eröffnet zudem neue Chancen am Arbeitsmarkt. Doch wie steht es um die Motivation, eine Weiterbildung zu machen? Die Studie hat ergeben, dass der Wille grundsätzlich da ist, in die eigene Zukunft zu investieren: Denn 85,1 Prozent der Befragten interessieren sich für eine Weiterbildung. Die überwiegende Mehrheit (62,4 Prozent) ist sogar bereit, jede Woche 21 bis 40 Stunden in das Erlernen neuen Wissens zu investieren. 

Ein Grund für die positive Einstellung zu Weiterbildungen ist, dass sich knapp 50 Prozent der Befragten dadurch bessere Chancen auf dem Arbeitsmarkt versprechen. Mehr als ein Drittel erhoffen sich wiederum durch die dazu gewonnenen Kompetenzen flexibler arbeiten zu können. Fast genauso viele möchten die Weiterbildung nutzen, um sich beruflich ganz zu verändern. Interessant dabei: Die Branchen und Bereiche, die das größte Interesse unter den Befragten geweckt haben, sind auch die, die am Arbeitsmarkt derzeit und in Zukunft gefragt sind. Ein Blick auf die meistgenannten Berufsfelder und Branchen verdeutlicht das.  

Die drei meistgenannten Wunsch-Weiterbildungsbereiche:

Gesundheit
Informationstechnologie
Technik

Weiterbildung: Gesucht und nicht gefunden?

Zwar ist das Interesse und der Wunsch nach einer Weiterbildung in den gefragten Bereichen bereits vorhanden, Zweidrittel der Befragten erscheint die Suche nach dem richtigen Angebot jedoch aussichtslos.  

Laut Studie liegt das - mit fast 40 Prozent - überwiegend an den Inhalten der Weiterbildungen. Wiederum über ein Viertel der Studienteilnehmenden nannten den Grund, dass die Angebote zu weit von ihrem Wohnort entfernt sind. Mit knapp 14 Prozent gab ein weiterer, nicht unerheblicher Anteil der Befragten an, dass die Weiterbildungen nicht flexibel genug auf ihre Lebenssituation eingehen. Doch wie stellen sich die befragten eine Weiterbildung vor, die die genannten Hindernisse überwindet? Für fast die Hälfte der Befragten ist eine optimale Weiterbildung laut Umfrage vor allem digital. Wiederum 28 Prozent gaben an, eine Kombination aus Präsenz- und Onlineunterricht zu bevorzugen.  

iu-akademie

Digitalisierung: Eine (Bildungs-)Lücke im Lebenslauf?

Die Digitalisierung ist jetzt schon ein wichtiges Thema bei den Studienteilnehmenden, wenn es um Weiterbildungen während der Arbeitslosigkeit und Kurzarbeit geht. Da sich die Arbeitswelt ebenso im digitalen Wandel befindet, nimmt das Thema Digitalisierung für eine nachhaltige Berufsrückkehr einen hohen Stellenwert ein. Denn der digitale Wandel stellt so manchen Prozess auf den Kopf und verändert die Arbeitswelt. Neue Jobs entstehen - das heißt aber auch: neue Fähigkeiten werden benötigt. Um diese zu erlernen, bekommt lebenslanges Lernen einen hohen Stellenwert, wenn es darum geht, von Arbeitslosigkeit oder Kurzarbeit betroffene Personen wieder nachhaltig zurück in das immer digitaler werdende Berufsleben zu holen. Und die Einstellung zum Thema Bildung ist durchaus positiv: Über 60 Prozent der Befragten sehen heute ihre Krise auch als Chance. 

Bei dem Thema Digitalisierung, zeigen die Ergebnisse der Studie eine klare Tendenz: Die digitalen Skills der Befragten sind noch nicht im Heute angekommen. Über die Hälfte geben an, keinerlei Grundkenntnisse im agilen Projektmanagement, in der Softwareprogrammierung, in Data Science oder Cyber Security zu haben. „Die Zukunft wird immer digitaler, auch für Arbeitsuchende. Weiterbildungen müssen genau da ansetzen, wo digitale Skills benötigt werden. Die bereits vorhandenen Skills beschränken sich größtenteils auf den Umgang mit alltäglichen Tools. Alles, was darüber hinausgeht und was die Arbeitsmarktchancen deutlich steigern könnte, muss gelernt werden“, so Prof. Regina Cordes.

Nichts verpasst – zusammengefasst:

Die Studie macht eins deutlich: Auch wenn die Mehrheit der Befragten sich Sorgen um die Zukunft macht, ist die Motivation, die Situation zu verändern, die Arbeitslosigkeit zu überwinden und neue Perspektiven zu finden bereits vorhanden. Denn das Interesse an Weiterbildungen ist groß. Damit verbunden ist die Hoffnung auf bessere Chancen am Arbeitsmarkt und einen Job, der ihnen wirklich gefällt. Doch auch wenn der Markt zahlreiche Weiterbildungsangebote bereithält, finden viele nicht die passende Weiterbildung. Diese Hürde muss überwunden werden, um arbeitssuchende via Weiterbildungen auf die digitale Zukunft vorzubereiten. Die komplette Studie kannst Du hier lesen und kostenlos herunterladen.  

Ich lebe in Innsbruck und bin Redakteurin an der IU Akademie. Ich liebe gute Magazine, das Schreiben und die Berge - ob im Sommer zum Wandern oder im Winter auf der Piste. Wenn es für mich mal nicht in die Natur geht, rolle ich auch gerne die Yogamatte aus oder tausche die Tastatur des Laptops gegen die Tasten am Klavier.
Sinja Burgemeister
Autorin & Redakteurin IU Akademie

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