Was ist ein Bildungsgutschein? Chancen der kostenlosen Weiterbildung

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25.10.2021
Von Sinja Burgemeister


Der Bildungsgutschein: Von A(rbeitssuche) bis Z(urück in den Job)

Der Job wurde gekündigt, Stellen werden abgebaut oder die Zukunftsaussichten im Unternehmen sehen schlecht aus. Vor solchen Herausforderungen stehen viele Arbeitnehmende, denn der Arbeitsmarkt entwickelt sich rasant weiter. Um mit diesen Entwicklungen mithalten zu können, ergreifen immer mehr Menschen die Möglichkeit, einer Weiterbildung. Doch wenn die finanziellen Mittel fehlen, wird aus dem Entschluss sich weiterzubilden schon bald nur noch ein Vorhaben für die Zukunft. Und genau darum, sind die Fördermöglichkeiten für lebenslanges Lernen enorm wichtig. Eine dieser Optionen ist der Bildungsgutschein. Doch was ist das eigentlich? Wer kann diesen in Anspruch nehmen? Und wie beziehungsweise wo kann der Bildungsgutschein beantragt werden? 

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Gute Frage: Was ist ein Bildungsgutschein?

Förderungen für Weiterbildungen und Upskilling können dazu beitragen, lebenslanges Lernen langfristig in der Gesellschaft zu manifestieren und vor allem: Bildung für alle zugänglich zu machen. Denn woran es nicht scheitern soll, um am Arbeitsmarkt der Zukunft zu bestehen, ist die finanzielle Barriere, die häufig mit dem Wunsch einer Weiterbildung einhergeht. Insbesondere dann, wenn Personen arbeitslos geworden sind und es sich schlichtweg nicht leisten können, ihre Weiterbildung selbst zu finanzieren.  

Genau für solche Fälle wurde der Bildungsgutschein ins Leben gerufen. Dieser wird von der Agentur für Arbeit oder dem Jobcenter vergeben und übernimmt die Kosten für Weiterbildungen bis zu 100 Prozent. Mittlerweile gehört diese Förderung zu den bekanntesten in Deutschland. Der Bildungsgutschein wird an Interessenten vergeben, die einen bestimmten Bildungsbedarf aufweisen. Dieser Bedarf wird dabei in einem Vorgespräch von der Agentur für Arbeit oder dem Jobcenter eingeschätzt: Denn das Ziel der geförderten Weiterbildung ist dabei immer die Beendigung der Arbeitslosigkeit oder die bessere Eingliederung am Arbeitsmarkt. Ob und für wen dieser Anspruch auf einen Bildungsgutschein besteht, wird im nächsten Abschnitt thematisiert.  

Insofern der Bedarf eines Bildungsgutscheins festgestellt wurde, kann dieser ausgestellt werden. Auf diesem werden sowohl das Bildungsziel, die Dauer der Weiterbildung, der regionale Geltungsbereich sowie die Gültigkeit vermerkt – der Bildungsgutschein kann dabei sowohl regional als auch auf ein bestimmtes Bildungsziel beschränkt sein. Nach der Ausstellung haben die Besitzer:innen drei Monate Zeit, diesen bei einem frei wählbaren, zugelassenen und staatlich anerkannten Bildungsträger einzulösen. Hierfür hat die Bundesagentur für Arbeit das Portal KURSNET eingerichtet, welches akkreditierte Weiterbildungen aller zertifizierten Bildungsträger listet und die Suche nach einer Weiterbildung mit Bildungsgutschein erleichtert. Denn im KURSNET kann nach den individuellen Bedürfnissen und Weiterbildungsbereichen gefiltert werden. Sobald eine passende Weiterbildung gefunden wurde, die die Voraussetzungen erfüllt, kann der Bildungsgutschein direkt bei dem Weiterbildungsanbieter eingelöst werden. 

Nachdem der Bildungsgutschein erfolgreich eingelöst wurde, übernimmt die Arbeitsagentur oder das Jobcenter nicht nur die Kosten für die Weiterbildung, sondern zum Beispiel auch die Kosten für Lehrgänge und anfallende Prüfungsgebühren. Auch die Ausgaben für Bücher und Fahrtkosten oder eine Kinderbetreuung während der Weiterbildung können übernommen werden.

Voraussetzungen für einen Bildungsgutschein

Bildung sollte für alle zugänglich sein. Hier wird sicher niemand widersprechen – und genau deswegen ist der Bildungsgutschein dafür da, finanzielle Ungleichheiten zwischen Weiterbildungsinteressierten auszugleichen und denen, die eine Weiterbildung benötigen zu ermöglichen. Daher kann der Bildungsgutschein nur von Personen in Anspruch genommen werden, die auch einen entsprechenden Bedarf aufweisen.  

Dieser Bedarf orientiert sich an den aktuellen Gegebenheiten der antragstellenden Person: In welcher beruflichen Situation befindet sich die Person? Wie sehen die zukünftigen Jobperspektiven aus? Und ist eine Weiterbildung notwendig, um eine nachhaltige Widereingliederung in den Arbeitsmarkt zu erreichen? Einen Bildungsgutschein können sowohl arbeitslose wie auch berufstätige Menschen erhalten. Wichtig ist, dass die Weiterbildung beziehungsweise Umschulung notwendig ist. Denn das Ziel des Bildungsgutscheins ist ganz klar: Die bessere Positionierung am Arbeitsmarkt. Daher ist auf dem Bildungsgutschein ein Bildungsziel angegeben, das zum bisherigen beruflichen Werdegang passt. Dies ist der Fall, wenn:  

dadurch eine Arbeitslosigkeit beenden werden kann
als berufstätige Person die drohende Arbeitslosigkeit vermeiden werden kann
ein Berufsabschluss nachgeholt werden soll

Mögliche Personengruppen, die diese Voraussetzungen erfüllen sind also:  


  • Arbeitslose, Menschen ohne Beschäftigung (ob mit oder ohne Leistungsbezug)

  • Arbeitssuchende – Personen, die von Arbeitslosigkeit bedroht oder bereits arbeitssuchend gemeldet sind (zum Beispiel in der Freistellungsphase oder durch befristete Arbeitsverträge ohne Aussicht auf Weiterbeschäftigung) 

  • Personen, die bei der Agentur für Arbeit oder dem Jobcenter gemeldet sind, weil Sie nach längerer Pause wieder in den Arbeitsmarkt zurückkehren (beispielsweise nach Elternzeit oder längerer Krankheit) 

Da die Förderung der beruflichen Weiterbildung eine gesetzlich geregelte Ermessensleistung ist, prüft die zuständiger Sachverständige der Agentur für Arbeit oder dem Jobcenter auf Grundlage des III. Sozialgesetzbuches, ob eine Qualifizierung bewilligt wird. Entscheidend dabei ist, ob die Förderung notwendig die berufliche Weiterbildung ist und ob sich die beruflichen Perspektiven und Chancen durch eine Qualifizierung wesentlich und dauerhaft erhöhen. Da die Frage nach der Notwendigkeit letztlich auch teilweise Argumentationssache ist – empfiehlt es sich, gut vorbereitet in das Bewilligungsgespräch bezüglich des Bildungsgutscheins zu gehen. 

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Richtig argumentiert: Schlau machen für die Förderung

Es gibt klare Voraussetzungsgrundlagen, um den Bildungsgutschein zu erhalten. Und dennoch gibt es auch bei diesem Bewilligungsverfahren gewisse Spielräume, die durch eine gut vorbereitete Argumentation zu Gunsten der antragstellenden Person ausfallen können. Es ist also durchaus ratsam, selbst aktiv zu werden und sich vor dem persönlichen Gespräch zum Antrag des Bildungsgutschein mit den eigenen beruflichen Zielen auseinanderzusetzen.  

Dabei helfen Fragen wie: Welche beruflichen Ziele werden noch verfolgt? Welche Qualifikation fehlt, um diese Ziele zu erreichen? Und welche Weiterbildungsmaßnahmen würden dabei helfen, diese fachlichen Lücke zu schließen? Sind zum Beispiel bestimmte Zertifikate oder spezielle Kompetenzen in einer Stellenausschreibung gefordert, die bisher fehlen?  

Diese Fragen lassen sich durch eine vorab Recherche beantworten. Dafür eignen sich zum Beispiel die Anforderungsprofile aktueller Stellenausschreibungen oder das bereits erwähnte Portal KURSNET. Hier zeigt sich relativ schnell, in welchen Bereichen welche Anforderungen gestellt werden beziehungsweise zukünftig benötigt werden. Einen weiteren Anhaltspunkt für die Recherche bieten Businessnetzwerke wie LinkedIn (Link: IU Akademie LinkedIn) und XING (Link: IU Akademie XING). Anhand der Stellenausschreibung und Newsberichte dieser Portale, lassen sich besonders die Tendenzen der unterschiedlichen Branche und Positionen sehr gut recherchieren.  

Mit dem aus der Recherche entstandenen Vorwissen fällt die Argumentation wesentlich leichter und zeigt auf, warum eine bestimmte berufliche Weiterbildung in diesem Fall sinnvoll, relevant und zielführend ist.

Den Bildungsgutschein beantragen

Ohne viel Aufwand, kann der Bildungsgutschein in wenigen Schritten beantragt werden – eine Prüfung der Voraussetzung lohnt sich also in jedem Fall und nimmt nur wenig Zeit in Anspruch.

1. Persönliches Gespräch vereinbaren:

Der Bildungsgutschein kann nur nach einer persönlichen Beratung ausgestellt werden. Dafür muss vorab ein Beratungstermin bei der Agentur für Arbeit beziehungsweise dem Jobcenter vereinbart werden.  

2. Voraussetzungen prüfen lassen:

Die jeweilige Ansprechperson prüft in Zusammenarbeit mit der antragstellenden Person, ob die Voraussetzungen für einen Bildungsgutschein erfüllt sind und welche Förderungen bei einer Weiterbildung oder Umschulung am besten geeignet ist. 

3. Weiterbildung suchen:

Nachdem der Bildungsgutschein bewilligt wurde, beginnt die Suche nach der passenden Weiterbildung. Wichtig dabei: Das ausgewählte Weiterbildungsinstitut muss TÜV geprüft und AZAV zertifiziert sein, um für diese Förderung in Anspruch genommen zu werden. 

Wurde also der Bildungsgutschein bewilligt, stehen den Förderungsempfänger:innen viele Möglichkeiten offen. Das Ziel der Weiterbildung sollte bei der Suche nach einer passenden Weiterbildung immer präsent sein: Ein sicherer Job für die Zukunft. Doch was sollte bei der Entscheidung für eine Weiterbildung beachtet werden? 

Letzter Schritt: Die richtige Weiterbildung finden

Der Bildungsgutschein ist eine Chance: Auf eine sichere berufliche Zukunft. Denn mit der richtigen Weiterbildung können völlig neue Berufsziele erreicht werden – die Karriere bekommt also einen zweiten Anlauf. Um Dir die Entscheidung Deiner Weiterbildung etwas leichter zu machen, haben wir die wichtigsten Punkte zusammengefasst: 

Finde heraus was Du persönlich möchtest:
Vor Deiner Entscheidung solltest Du Dich mit Deinen persönlichen Präferenzen auseinandersetzen. Möchtest Du online oder vor Ort lernen, soll der Unterricht zu festen Zeiten stattfinden oder individuell planbar sein?
Achte auf die Qualität und Flexibilität:
Überprüfe, ob das Weiterbildungsangebot staatlich anerkannt und AZAV zertifiziert ist. Auch die Flexibilität ist ausschlaggebend: Du benötigst während der Weiterbildung Zeit für die Jobsuche und im Fall eines neuen Jobantritts muss die Weiterbildung auch in Teilzeit zu absolvieren sein.
Erkundige Dich nach hilfreiche Zusatzleitungen:
Häufig kannst Du einfach über die Website der Weiterbildungsinstitute herausfinden, ob es zusätzliche Leistungen wie Karriere- oder Lerncoachings gibt, die im Weiterbildungsangebot enthalten sind.
Lese die Erfahrungsberichte:
Auch das Lesen von und Recherchieren nach Erfahrungsberichten von derzeitigen oder ehemaligen Weiterbildenden kann Dir bei Deiner Entscheidung für die richtige Weiterbildung behilflich sein.
Beachte die Praxispartner:innen:
Häufig arbeiten die Bildungsanbieter mit Unternehmen aus der Praxis zusammen – informiere Dich also auch vorab über die Praxispartner:innen. Dies kann Dir bei der Jobsuche nach oder während der Weiterbildung zugutekommen.
Vereinbare ein persönliches Beratungsgespräch:
Der letzte und doch sehr wichtige Punkt ist der persönliche Kontakt. Vor der Entscheidung solltest Du immer einen persönlichen Beratungstermin bei Deinem Wunsch-Weiterbildungsträger vereinbaren. So kannst Du Dir ein individuelles Bild machen: Der persönliche Eindruck und Dein Bauchgefühl spielen schließlich bei jeder Entscheidung eine wichtige Rolle.

Nichts verpasst – zusammengefasst:

Der Bildungsgutschein bietet genau den Personen eine Chance auf Weiterbildung, die von Stellenabbau, Arbeitslosigkeit und der Veränderung am Arbeitsmarkt betroffen sind. Denn durch die bis zu 100-prozentige Förderung der Weiterbildungsmaßnahmen, lassen sich Skill Gaps schließen, die Arbeitslosigkeit abwenden und die Positionierung am Arbeitsmarkt verbessern, um langfristig erfolgreich ins Berufsleben zurückzukehren. Sind die Voraussetzungen für den Bildungsgutschein erfüllt und dieser ausgestellt, sollte auf der Suche nach dem passenden Weiterbildungsangebot ausführlich recherchiert, sowie die eigenen Präferenzen und beruflichen Ziele abgesteckt werden. Mit der Wahl der optimalen geförderten Weiterbildung steht dann einem beruflichen Neuanfang nichts mehr im Weg.  

Ich lebe in Innsbruck und bin Redakteurin an der IU Akademie. Ich liebe gute Magazine, das Schreiben und die Berge - ob im Sommer zum Wandern oder im Winter auf der Piste. Wenn es für mich mal nicht in die Natur geht, rolle ich auch gerne die Yogamatte aus oder tausche die Tastatur des Laptops gegen die Tasten am Klavier.
Sinja Burgemeister
Autorin & Redakteurin IU Akademie
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